Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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mochte. Der Knabe bot einen entſetzlichen Anblick dar, ſein Rücken war zerfleiſcht, mit Blut unterlaufen, mit Striemen bedeckt. Die Füße, in den Bock, geſpannt trugen deutlich die Spuren der ausgeſtandenen Folterqualen, das ſcharfe Holz hatte tiefe, ſchmerzhafte Eindrücke hinterlaſſen; die Beine waren angeſchwollen. Todtenbläſſe bedeckte das junge, ſchuldloſe Geſicht. Voll Entrüſtung ſtellte der Beamte dieſe Unterſuchung an, indem er ſofort den That⸗ beſtand feſtſtellen ließ.

„Und Sie glauben wirklich,“ fragte er mit vernich⸗ tenden Blicken den Waiſenvater,„daß dieſer unglückliche Knabe Sie für Ihre Wohlthaten ſegnen wird? Ol über eine ſolche Heuchelei.“

Herr Mehleatz ſchlug die Augen zu Boden nieder, er war entlarvt, die täuſchende Maske des Menſchenfreun⸗ des, womit er ſo lange die ganze Reſidenz irre geleitet, fiel voon ihm ab und ſeine wahre, teufliſche Geſtalt kam zum Vorſchein. Er verſuchte noch, ſich zu entſchuldigen, aber der empörte Beamte gebot ihm mit mehr Strenge, als dieſer ſonſt bei der Ausübung ſeines ſchwierigen Be⸗ rufes zeigte, ſtill zu ſchweigen. Hierauf ließ er ihn unter Bewachung nach dem Gefängniß abführen, während er voll Mitleid den armen mißhandelten Gottfried ſelbſt nach dem nächſten Krankenhauſe brachte, wo derſelbe bald unter der ſorgfältigſten Pflege von ſeinen Wunden und den aus⸗