Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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trennen ſoll, weiß ich erſt, wie lieb der arme Schelm mir iſt.“

„Reden Sie keine Dummheiten,“ brummte Herr Ro⸗ ſenberg.„Sie ſollten lieber Gott danken, daß Sie ſo eine Laſt wieder los werden. Je größer der Schlingel wird, deſto mehr Sorgen muß er Ihnen machen.“

„Das iſt wohl wahr,“ entgegnete die gute Frau kleinlaut,„und ich habe auch gar nichts dagegen, wenn ich nur weiß, daß er gut untergebracht iſt. Das iſt nur noch meine einzige Sorge.“

„Es wird ſich wohl noch ein Ausweg finden laſſen. Ich will mir die Sache überlegen. Die gnädige Baroneſſe von Freiſtadt, der ebenfalls daran liegt, daß der Junge fort kommt, hat mir einen Vorſchlag gemacht, der ſich hö⸗ ren läßt. Wenn es glückt, ſo kann der Schlingel Gott danken. Sie hat nämlich die Abſicht, mit einem frommen, gottesfürchtigen Herrn zu ſprechen, der ein Waiſeninſtitut durch Beiträge milder, freigebiger Herrſchaften gegründet hat. Die Baroneſſe hofft, da ſie ſelber die Anſtalt bedeu⸗ tend unterſtützt, den Herrn Vorſteher zur Aufnahme Ihres Jungen zu bewegen. Deshalb gebe ich Ihnen den guten Rath, Nachmittag der gnädigen Frau aufzuwarten und ſich ſelber bei ihr den Beſcheid zu holen.“

. Mit dieſem ſchwachen Troſte entließ der Hauswirth die arme Frau, welche ſich immer mehr mit dem Gedanken

1858. XV. Neue Stadtgeſchichten. II. 3