Teil eines Werkes 
2. (1858) Der Waisenknabe / von Max Ring
Entstehung
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guter Chriſt. Mit dem Arbeitshauſe war es mir nicht ſo ganz Ernſt, obgleich es dem Taugenichts nichts ſchaden würde, dort ein paar Monate zuzubringen. Aber ich will nicht darauf beſtehen und auf einen andern Ausweg ſinnen. Wenn man wenigſtens nachweiſen könnte, daß ſein Vater ein hieſiger Bürger war, ſo müßte ihn das Waiſenhaus ohne Weiteres aufnehmen. Aber da liegt der Hund begraben. Niemand kennt die Eltern, und wahrſcheinlich iſt der Junge ein Kind der Liebe, wie man zu ſagen pflegt.“

„Davon hat mir die Winklern nichts geſagt,“ entgeg⸗ nete treuherzig die gute Frau.„Es war vor dreizehn oder vierzehn Jahren, ich weiß nicht mehr, ob an einem Montag oder Dienſtag, es wird wohl an einem Dienſtag geweſen ſein, denn ich hatte, wie gewöhnlich, große Wäſche. Eben hing ich noch das letzte Stück auf die Leine, als die Wink⸗ lern vor mir ſtand. Ich kannte ſie ganz gut, denn ſie hatte mich zwei Mal entbunden, das eine Mal von einem todten Kinde und das andere Mal von einem lebenden, das ſchon nach drei Wochen mir wieder geſtorben iſt. Die Hebamme ſagte mir einen guten Abend und fragte mich bald dies und das, bis ſie zuletzt mit der Sprache heraus rückte und mir reinen Wein einſchenkte. Ich ſollte einen vor Kurzem erſt gebornen Jungen zu mir nehmen und warten. Dafür ver⸗ ſprach mir die Winklern zehn Thaler monatlich und die