Erſtes Capitel.
Wer durch die Straßen einer großen Stadt geht und dieſelben nur oberflächlich anſieht, der bekommt freilich nur einen unvollkommenen Begriff von ihrer Phyſiognomie, indem er nur die vordere Partie und nicht die Kehrſeite der Medaille kennen lernt. Da giebt es prachtvolle Häuſer, welche man ſchon Paläſte nennen kann; großartige Ge⸗ bäude mit Spiegelfenſtern, mächtigen Portalen und ge⸗ ſchmackvollen Balkons; ſie bilden gleichſam den Vorhang, hinter dem ſich wieder eine ganz andere Stadt mit einer neuen, mehr oder minder unbekannten Bevölkerung erhebt. Faſt jedes dieſer glänzenden Gebäude hat nämlich einen Stiefbruder, das ſogenannte Hinterhaus, einen Prole⸗ tarier von dürftigem, herunter gekommenem Ausſehn und trauriger Geſtalt. Hier wohnt häufig die Armuth, das Elend, die Proſtitution und zuweilen das Verbrechen, nur
durch einen Hof oder Garten von dem Reichthum, dem Luxus und dem Glücke getrennt. Dieſe Hinterhäuſer ſind
1858. XVe Neue Stadtgeſchichten. II. 1—


