Teil eines Werkes 
1. (1858) Die Geschiedene / von Max Ring
Entstehung
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Keine Gewalt der Erde kann mich zwingen, mit einem Nichtswürdigen zu leben.

Du biſt heute zu aufgeregt. Guter Rath kommt über Nacht.

Antonie beharrte auf ihrem Entſchluß, ſie ſprach un⸗ verholen und energiſch ihre Abſicht aus, ohne auf die fer⸗ neren Einwürfe der Ihrigen zu hören. Herr Brandeis fürchtete vor Allem das Aufſehn eines Prozeſſes, der mög⸗ licher Weiſe ſeinem Kredit ſchaden konnte. Auch die Mutter ſuchte ſie ſanfter zu ſtimmen und ihr den Vorfall in einem milderen Lichte vorzuſtellen.

Im Innern waren Beide jedoch tief betrübt; ihre Berechnungen hatten ſie getäuſcht. Statt das Glück ihrer Tochter zu begründen, hatten ſie dieſelbe dem Elend aus⸗ geſetzt. In den folgenden Tagen war in der Haupt⸗ ſtadt von nichts Anderem die Rede, als von der bevor⸗ ſtehenden Scheidung Antonien's. Die Klatſchſchweſtern und beſonders Fräulein Mühlenberg fanden eine will⸗ kommene Gelegenheit, ihre ſpitzen Zungen gehen zu laſſen. Sie bemächtigten ſich des ſchönen Stoffes, den ſie nach ihrer Weiſe ausſchmückten und mit Zuſätzen verſahen. Bald verbreiteten ſich allerlei ehrenrührige und gemeine Gerüchte auf Antonien's Koſten. Es hieß allgemein, daß ſie mit dem Baron von Wallenberg eine Liaiſon angeknüpft

1858. XIV. Neue Stadtgeſchichten. I.