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niſters erhielten jetzt in ihren Augen die wahre Bedeutung. Es war für ſie kein Zweifel mehr, daß er eine Andere liebte. Ihre eigene Neigung für ihn gründete ſich weit mehr auf die Achtung, die ihr Vater ihr für den Geheim⸗ rath mitgetheilt hatte, auf eine Bewundrung ſeines Talen⸗ tes, als auf eine urſprüngliche Leidenſchaft; ihr Verſtand ſprach lauter als ihr Herz. Es koſtete ihr daher keinen ſchweren Kampf, um ihn aufzugeben, noch dazu da der Erſatz ſo leicht war und der gewandte Hillebrand ihr im Grunde weit beſſer gefiel.— Aber fühlen ſollte er wenig⸗ ſtens, daß ſie ſich von ihm zurückgeſetzt und beleidigt hielt. Den ganzen übrigen Abend vermied ſie abſichtlich jede An⸗ näherung; ſie behandelte ihn mit einer auffallenden Kälte, während ſie ſichtbar dem überglücklichen Aſſeſſor den Vor⸗ zug gab, der ſich bereits im Geiſte als den Schwiegerſohn des Miniſters und als rechte Hand deſſelben ſah.
Als der Bediente mit der Meldung kam, daß die Tafel ſervirt ſei, wollte Bolten ſeinen Arm dem Fräulein bieten.
„Ich bedaure,“ ſagte dieſe kalt, indem ſie auf Hille⸗ brand deutete, welcher nicht wußte, wie ihm geſchah.
Im Vorübergehn richtete noch die miniſterielle Toch⸗ ter einen faſt ſpöttiſchen Blick auf ihn; eine Art Kriegs⸗ erklärung, die nicht ohne Folgen für ſeine fernere Laufbahn


