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Er wollte ihr ein freundliches Wort des Troſtes über ihren herben Verluſt ſpenden, aber er fürchtete, den Schmerz von Neuem aufzuregen. Sie ahnte, was in ſeiner Seele vorging und reichte ihm ſtumm die Hand, welche er ehr⸗ furchtsvoll an ſeine Lippen führte. Durch dieſes Zeichen ihrer Freundſchaft kehrte das alte Vertrauen bald zurück. Bolten erhielt ſeine frühere Sicherheit und mit dem ihm eignen Takt berührte er mit keinem Worte die für Beide gleich traurige Vergangenheit. Er wußte dem Geſpräche eine mehr allgemeine Wendung zu geben, wofür ihm ſo⸗ wohl Julie wie Antonie dankten, da er ihnen jede Ver⸗ legenheit erſparte. In ſeiner Unterhaltung gab er ſich in jedem Worte als der ehrenwerthe und tüchtige Charakter zu erkennen, der er immer und unter allen Verhältniſſen geblieben war. Sein Urtheil über Menſchen und Dinge lautete mild und nachſichtig, wobei ihm eine reiche Erfah⸗ rung zu Gebote ſtand. Julien’s Mann, der hinzukam, belebte durch allerhand Einwürfe und geiſtreiche Bemer⸗ kungen nur noch mehr das Geſpräch und Antonie fühlte ſich zum erſten Male ſeit dem Tode ihres Kindes von ihren trüben und ſchwermüthigen Gedanken, wenigſtens für die Zeit ihres Beſuches, abgezogen. Hier fand ſie, was ſie im eignen Hauſe vermißte, eine liebenswürdige und feine Ge⸗ ſelligkeit, ein tieferes Eingehen, ein bedeutenderes Wort; das Intereſſe drehte ſich nicht nur, wie bei ihrem Manne


