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bildete den Grundton ihres ganzen Weſens. Wo ſie volle Befriedigung zu finden hoffte, legte ſie mit großer Selbſtverleugnung, kuͤhn und entſchieden alle Vorurtheile und Gewohnheiten ihres bisherigen Lebens ab. In ſolchen Stunden brach ihre innere und beſ⸗ ſere Natur wie die Sonne durch Dunſt und Nebel hervor. Dann erſchien ſie wahrhaft bezaubernd, lie⸗ benswuͤrdig, einfach, ſelbſt herzlich.
So ſah ſie Georg und die Erinnerung an dieſes naͤchtliche Zwiegeſpraͤch blieb ihm unvergeßlich, un⸗
ausloͤſchlich ſeinem Gedaͤchtniſſe eingepraͤgt.
Mitternacht war laͤngſt voruͤber, als Adolphine von dem Faͤrbermeiſter Abſchied nahm. Sie reichte ihm die Hand. Er fuͤhrte ſte an ſeinen Mund. Ein heiliger Schauer erfaßte ihn. Noch nie zuvor hatte er die Hand eines Maͤdchens geküßt.
— Wir ſcheiden als Freunde, ſagte ſie im Gehn. Denken Sie meiner, wie ich Ihrer und dieſer Nacht ſtets gedenken werde. Morgen erhalten Sie einen Brief fuͤr die Großmutter. Auch dieſe Moͤglichkeit einer Ausſoͤhnung mit meinen Anverwandten verdanke ich Ihnen. Wenn ich nach Waldau komme, ſehen wir uns wieder. Bis dahin Gute Nacht und Lebe⸗ wohl! 3


