—? 307—
kannter Wallfahrtsort. Nachdem die Reiſenden ein
kleines Fruͤhſtuͤck eingenommen, beſuchten ſie die alte, beruͤhmte Kirche, welche reich an Reliquien und Bil— dern aus der Heiligengeſchichte iſt. Ferdinand machte Adolphine beſonders auf den ſchoͤnen, kunſtreichen Altar aufmerkſam, eines der wuͤrdigſten Monumente mittelalterlichen Fleißes. Um dieſes Meiſterwerk deutſcher Holzſchnitzerei zu bewundern, war ſie naͤher heran getreten. Der Saum ihres Kleides ſtreifte bei dieſer Bewegung einen der vielen Andaͤchtigen, welche im Halbdunkel knieend auf dem Boden und den Stufen lagen. Der fromme Beter wendete ihr ſein Geſicht zu. Sie erroͤthete als ihr Auge dem ſeinigen begegnete, denn ſie hatte in ihm Baron Briolan er⸗ kannt. Schweigend entfernte ſie ſich wieder.—
Um die Zeit bis zum Mittagseſſen auszufuͤllen, deſſen Beſtellung und Anordnung Herr von Buſch uͤbernommen, beſuchte die Geſellſchaft die noch ziem— lich wohlerhaltenen Ruinen des ehemaligen Kloſters, welches in der Naͤhe der Kirche liegt. Durch die offe⸗ nen Bogenfenſter genießt man die herrlichſte Ausſicht auf die verſchiedenen Punkte des Sees und ſeine maleriſchen Umgebungen. Jedes einzelne Fenſter bil⸗ det gleichſam den Rahmen fuͤr ein beſonderes land⸗ ſchaftliches Bild. Es war dies ein Panorama einzig 20*


