Teil eines Werkes 
4. Band (1852) Feine Welt : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

206

tigte für ihn ihr ferneres Benehmen, das er weder dem Wankelmuthe, noch weit niedrigeren Gründen zuzuſchreiben vermochte.

Ihre Handlunsweiſe kam ſogar in dieſem Au⸗

genblick erwünſcht für ihn. Er kannte, oder glaubte wenigſtens Julien zu kennen. Sie erſchien ihm wie eine jener wunderbaren und prächtigen Blüthen des Orients, welche nur in der warmen Atmo⸗ ſphäre des Glückes gedeihen könnnen. Hatte er ein Recht, ſie dem ihr eigenen Boden zu entreißen und in das kalte Erdreich der Entbehrung und Armuth, von welcher er ſich bedroht ſah, zu ver⸗ pflanzen? Für ſich konnte er Alles entbehren, denn trotz ſeines Reichthums war er nicht verwöhnt, aber Julien ein ähnliches Loos zu bereiten, dazu fehlte ihm der Muth. Er litt ſchon um Adelens willen und vermochte kaum der Schweſter die nö⸗ thigen Mittheilungen zu machen.

Er hatte das liebliche Mädchen zu ſich auf den Divan niedergezogen und hielt verlegen ihre Hand in der ſeinigen. Augenſcheinlich rang er nach Faſſung. Seine Stimmung war der liebevollen Schweſter nicht entgangen..

— Was fehlt dir?— fragte ſie ihn beſorgt.