Teil eines Werkes 
4. Band (1852) Feine Welt : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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der letzten Zeit einen Theil ihrer gewöhnlichen Fröh⸗ lichkeit verloren. Die vorangegangenen Ereigniſſe hat⸗ ten ſie ernſt gemacht. Sie war noch immer hold und ſchön, doch auch ſie ſchien von der melancholiſchen Stimmung des Bruders angeſteckt worden zu ſein. Das reizende Geſicht war bleicher, aber auch un⸗ endlich intereſſanter geworden. Eine ſanfte Schwer⸗ muth verlieh ihr einen neuen, bisher unbekannten Zauber. Ihr ſtrahlendes Auge hatte etwas von ſeinem Glanz verloren, aber ihr Blick war darum nur um ſo ausdrucksvoller, tief und ſchwärmeriſch. Ue⸗ ber ihre ganze Erſcheinung war eine früher nie gekannte Weichheit ausgegoſſen. Was ſie aber an Lebendigkeit und Friſche dadurch verlor, erſetzte ſie hinreichend durch Milde und Sanftmuth. Oft ſaß ſie jetzt träumend an ihrer Arbeit und dachte an das ſtille, trauliche Leben im Walde, an die guten Förſterleute und an den treuen Freund in ihren Nöthen. Dann ſchrak ſie wieder zuſammen und entriß ſich mit Gewalt den zerſtreuenden Gedanken, welche immer von Neuem wiederkehrten.

Oskar hatte zum Gluück dieſe Veränderung nicht bemerkt. Er war zu ſehr mit ſich ſelbſt und ſeinen Verhältniſſen beſchäftigÄt. Den Schmerz über