Teil eines Werkes 
4. Band (1852) Feine Welt : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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lich zuwendete. Oskar dagegen liebte die Verlaſſene doppelt, als Schweſter und hülfloſes Kind, an dem er Vaterſtelle zu vertreten hatte. Er empfand die ganze Seligkeit, welche in der Sorge für das Glück eines ſolchen ſchwachen, ſchönen Weſens liegt. Ge⸗ ben iſt ſeliger, denn Nehmen, wie das Evangelium ſchon ſagt. Jedes neue Kleid, jeder Schmuck, wel⸗ chen er Adelen kaufte, war für ihn ein Quell der reinſten Luſt. Erſt ſeitdem die Schweſter bei ihm wohnte, hatte ſein einförmiges Leben einen neuen Reiz erhalten. Der Sonnenſchein war mit ihr in das große Haus gezogen, das er im Anfang ganz allein bewohnen mußte und welches ihm darum ſtets ſo düſter vorgekommen war. Jetzt leuchteten ihre Augen ihm entgegen, grüßte ihn ihr ſilber⸗ helles Lachen wenn er kam und wenn er ging. Dabei fühlte er ſich gewiſſermaßen als Familien⸗ oberhaupt und war ſtolz, daß er ſolch ein liebes, ſüßes Schweſterchen hatte, welches er wie ein Va⸗ ter beſchützen und behüten mußte. Er war ihr ge⸗ wiſſermaßen dankbar, daß ſie ihm täglich Gelegen⸗ heit gab, ihr wohl zu thun.

Eine reinere Liebe gab es ſicher auf der gan⸗ zen Erde nicht.