Teil eines Werkes 
4. Band (1852) Feine Welt : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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lächelte. Die zwei Grübchen in ihren Wangen waren die Lagerſtätten von tauſend liebenswürdigen und ſchalkhaften Geiſtern, welche unvermuthet hervor⸗ brachen und Luſt und Freude rings verbreiteten. Die Geſchwiſter ſahen einander ſo ähnlich, wenn ſie beiſammenſtanden, wie zwei Thautropfen, von denen der eine in eine junge Roſenknospe ſich gebettet hat, während der andere in der dunklen Krone einer ſchwarzen Fichte glänzt. Adele war meiſtens heiter, Oskar gewöhnlich ernſt. Trotz dieſer Temperamentsverſchiedenheit war ihre gegen⸗ ſeitige Liebe unbegränzt. Sie ſtanden allein ohne nähere Anverwandte, ſeitdem ihnen beide Eltern frühzeitig geſtorben waren. Kurze Zeit nach dieſem traurigen Ereigniſſe war Oskar durch das Teſta⸗ ment ſeines Oheims plötzlich reich geworden. So⸗ gleich holte er die ſechszehnjährige Adele aus dem Fräuleinſtift, wo die Waiſe eine vorläufige Unter⸗ kunft geſunden hatte. Von dieſer Zeit lebte ſie in ſeinem Hauſe und theilte in jeder Beziehung ſein unvermuthetes Glück. Er war ihr Bruder, Wohl⸗ thäter und Ernährer zu gleicher Zeit. Kein Wun⸗ der, daß die dankbare Schweſter die ganze Fülle ihres liebereichen Herzens ihm allein und ausſchließ⸗

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