XVIII.
Seit drei Tagen war Herr Werth in London. Raſtlos irrte er in der ungeheuren Stadt umher. Er hatte keine Ruhe auf ſeinem einſamen Zimmer und ſuchte das wogende Drängen und Treiben in den geräuſchvollen Straßen auf, um ſich ſelber und den nagenden Gedanken zu entfliehn. In die dunkle Nacht jagte ihn das mahnende Gewiſſen hinaus. Er ſtand auf einer Brücke und ſchaute in die Tiefe des finſtern Stromes. Durch ſeine Seele zuckte ein furchtbarer Gedanke. Da unten war es ſtill und kühl, aber der Selbſtmord verlangt noch einen Muth, den er nicht beſaß. Er wandte ſich ſchau⸗ dernd ab, ſeine Augen fielen auf ein verlorenes Geſchöpf, welches ihn um eine Gabe anſprach. In dem Geſichte lagen Spuren einer vergangenen, großen Schönheit.
Er griff in die Taſche, um ihr ein Geldſtuͤck hinzureichen.
— Cduard!— ſchrie das Weib.
Sie hatte ihn erkannt, den Verführer ihrer Unſchuld. Es war eine traurige Geſchichte. Sie


