Teil eines Werkes 
3. Band (1852) An der Börse : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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der Sohn der Wittwe war. Trotzdem er kaum ſein

achtzehntes Jahr erreicht hatte, zeigte er eine faſt männliche Reife und Beſonnenheit. Den ganzen Tag arbeitete er unverdroſſen auf dem Komptoir, nur den Abend brachte er in Geſellſchaft ſeiner Mutter und des alten Lazarus zu. Die halbe Nacht aber verwendete er noch dazu, ſich in allerlei kauf⸗ männiſchen Wiſſenſchaften und fremden Sprachen zu vervollkommnen.

Wie ſehr Madame Märtens ihren wohlgera⸗ henen Sohn, der die einzige Stütze ihres Alters war, liebte, kann nur ein Mutterherz begreifen. Auch der Makler war dem jungen Manne überaus gewogen, und es regte ſich in der Seele des alten Junggeſellen oft ein Gefühl, als wenn er ſelbſt ein Kind beſäße und alle Sorgen und Freuden eines Vaters übernommen hätte. Anverwandte be⸗ ſaß er nicht mehr, ſie waren alle todt, auch ſeine Jugendfreunde waren fortgegangen, ohne ihn mit⸗ zunehmen. In ſeinem Herzen ſah es wie auf einem Kirchhof aus. Wohin er ſchaute, erblickte er nur Leichenſteine. Darum that es ihm wohl, daß in der Oede ſeines Lebens ein junges Reis aufge⸗ ſchoſſen war, das er beobachten und pflegen konnte