Teil eines Werkes 
3. Band (1852) An der Börse : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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durch das Ab⸗ und Zugehn der angeſtellten Kir⸗ chendiener, hier Makler genannt, noch vermehrt wird. Dieſe eilen durch das dichteſte Gedränge mit einer bewunderungswürdigen Geſchicklichkeit und ſchlüpfen von Einem zum Andern, wobei ſie ge⸗ heimnißvolle Worte fluͤſtern. Man möchte glauben, daß ſie die Pſalmen angeben, die von der ganzen Gemeinde geſungen werden ſollen, aber dem iſt nicht ſo. Kein Mund thut ſich hier auf zu einem gottesfürchtigen und feierlichen Liede, nur ein dum⸗ pfes Murmeln macht ſich hörbar, welches an das Summen eines unruhigen Fliegenſchwarms im Hochſommer erinnert. Wenn man ſein Ohr ſehr anſtrengt, ſo vernimmt man wohl einzelne abge⸗ brochene Worte, welche für den Uneingeweihten ganz chaldäiſch klingen. Beſonders werden viel Zahlen ausgeſprochen, ſo daß man in Verſuchung kommt, die Anweſenden für Schüler und Nachfol⸗ ger des berühmten Pythagoras zu halten, der be⸗ kanntlich ſeine religiöſe und philoſophiſche Welt⸗ anſchauung auf Zahlen gründete.

Intereſſant für den Beobachter dürfte das be⸗ wegte Mienenſpiel ſein, welches ſich in den Geſich⸗ tern der Mitglieder dieſer eigenthümlichen Sekte