Teil eines Werkes 
2. Band (1852) Die Chambregarnisten : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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Mit Kronthal hatte ſie nun überdies gänzlich ge⸗ brochen, und es fehlte nicht viel, ſo hätte auch ſie

ſich aus dem elterlichen Hauſe entfernt, weniger.

aus Nothwendigkeit als aus Nachahmungsſucht und um eine pikante Abwechslung in ihr einförmiges Leben zu bringen. 4

Sie beneidete förmlich Klara um das kleine trauliche Stübchen, um den friſchen Epheu, der ſich an dem Fenſter empor rankte. Die weiße Bett⸗ decke ſchimmerte wie friſch gefallener Schnee; auf dem Sopha lag das weiche Kiſſen, welches ſie in müßigen Stunden kunſtreich geſtickt hatte; auf einem hängenden Bücherbrett ruhten die Lieblingswerke des Mädchens: Schleidens Botanik, Burmeiſters Schöpfungsgeſchichte, neben einigen deutſchen und engliſchen Geſchichtswerken. Joſephine hatte es ſich nicht nehmen laſſen und Klara einen Blumentiſch zum Geſchenk gemacht, auf dem zwiſchen Myrthen und Eriken die Statue Goethe's, gerade wie im elterlichen Hauſe, prangte.

So oft die Tochter des Bankiers abkommen konnte, beſuchte ſie ihre Freundin, um in dieſer lieblichen Oaſe, wie ſie ſich poetiſch ausdrückte, von dem Wüſtenſtaube der Geſellſchaft auszuruhn.