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Sie ſah keinen Menſchen in ihrer Wohnung außer Joſephine und Gottlieb. Letzterer kam nur ſelten. Der gute Freund berückſichtigte den Ruf des einzelnſtehenden Mädchens, und hätte auf das große Glück, von Zeit zu Zeit Klara zu ſehen, lieber verzichtet, als ihr die geringſte Unannehm⸗ lichkeit dadurch bereitet. Sie freute ſich über ſein günſtiges Geſchick von ganzem Herzen, aber auch gegen dieſe treue Seele war Klara noch zurück⸗ haltender als ſonſt.
Das Mißtrauen hatte tiefe Wurzeln in ihrem Gemüthe geſchlagen. Seit Stürmers Verrath war der Glaube an die Welt in ihr wankend geworden, ſie floh und vermied die Berührung mit Menſchen ſo viel ſie konnte, denn ſie war zu tief verletzt.
Joſephine kam jetzt wieder öfter zu Klara. Die Tochter des Bankiers fand den Schritt der Freundin originell und beneidete ſie ſogar um dieſe Selbſtſtändigkeit. Klara hatte in ihren Augen bedeutend dadurch gewonnen und kam ihr viel intereſſanter als früher vor. Auch Fräulein Meyer hatte ſich in der letzten Zeit mit Emanzipation der Frauen beſchäftigt und faßte die Lage ihrer Freun⸗ din unter dieſem gewiß falſchen Geſichtspunkt auf.
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