Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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Herr Hintze weidete ſich an der Verlegenheit des Sohnes und lachte einen Augenblick, dann ſchrie er laut: Heraus, heraus! Chriſtkind zeige dich!

Da öffnete ſich die Thür der Schlafſtube und auf der Schwelle erſchien das Chriſtkind Agnes mit lieblich ſtrahlendem Geſicht. Sie trug das alte, ſchwarze Merinokleid und die weiße Schürze vor⸗ gebunden. Eine zarte Purpurröthe ſchimmerte auf ihren Wangen. Demüthig, wie von all' dem Glanz geblendet, ſchlug ſie die frommen Tauben⸗ augen nieder.

Das iſt meine Beſcheerung! lachte Vater Hintze auf. Nun, willſt du ſte nicht?

Sprachlos ſtand Karl, die Mutter lachte und weinte zu gleicher Zeit, und der Alte nahm die künftige Schwiegertochter und führte die Schüchterne dem Sohne zu. Da war ein Jauchzen und Jubeln, ein Küſſen und Herzen, worüber Gott im Himmel ſelber ſich gefreut. Alle Schmerzen und Leiden wurden vergeſſen und die höchſte Wonne und Seligkeit war zurückgekehrt. Die Eltern von Agnes mußten natürlich mit dabei ſein und ihre Ge⸗ ſchwiſter verfehlten nicht, den Mohnklöſen und