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die Frau in jüngſter Zeit einen großen Kummer gehabt, um den Sie vielleicht wiſſen?—
Vater Hintze ſchlug beſchämt die Augen zu Boden, aber ſchwieg mit verſtocktem Sinne, doch der kluge und menſchenfreundliche Arzt ließ ſich nicht irre machen, ſondern forſchte und fragte ſo lange, bis er auf den Grund der Sache kam. Als er Alles erfahren hatte, was er wiſſen wollte, ſagte er mit feſtem Ton:— Die Frau ſtirbt am gebrochenen Herzen, woran ſchon viele Weiber ge⸗ ſtorben ſind.—
Dieſer Beſcheid rührte zwar den harten Mann, doch noch immer nicht genug. Das Gewiſſen be⸗ gann ſich zu regen.
— Doktor!— fragte er bereits ſchwankend und zweifelhaft— Reden Sie die Wahrheit? Machen Sie mir keine Finten vor?—
— So wahr, als ob ich vor Gericht ſtände und meine Ausſage mit einem heiligen Eid beſchwören müßte. Die Frau iſt verloren, wenn ſie von ihrem Sohne getrennt wird.—
Herr Hintze ſtieß einen tiefen Seufzer aus und wiſchte ſich mit der ſtarken Hand den Angſt⸗ ſchweiß von der Stirn.


