Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

256

Ihre Thräuen und Bitten verhinderten den gewalt⸗ ſamen Ausbruch beider, doch ein Riß war in der glücklichen Familie eingetreten, und der harmoniſche Einklang auf lange Zeit geſtört. Vater und Sohn grollten mit einander. Der Friede war gewichen und wer am meiſten dabei litt, war das arme Mutterherz, welches einem Weizenkörnlein glich, das zwiſchen zwei harte Mühlſteine gerathen iſt. Die Frau ſoll überall durch Milde und Güte ver⸗ ſöhnen und beſänftigen, wie ein Friedensengel durch das Leben ſchreiten nur mit der Palme in der Hand. Für den Mann der Kampf, für ſie die Verſöhnung. Wehe ihr, wenn ſie ihren Beruf verkennt und auf ihr ſchönſtes Recht verzichtet, weiter nichts als ein gutes, ſanftes Weib zu ſein. Das war freilich bei Frau Hintze nicht zu befürchten, denn ſie allein trug den Verdienſt, daß Vater und Sohn ſich noch leidlich verſtändigten. Die Aufgabe wurde ihr recht ſchwer gemacht und die trotzigen Männer bereiteten der guten Alten manche trübe Stunde. Sie vermochte weder dem Einen, noch dem Andern ganz Unrecht zu geben, und ihre Liebe wurde oft auf die härteſte Probe geſtellt. Im Grunde ihres Herzens mußte ſie ſich