Augenblick zu ſcheitern droht, ſo ſchwankte der
235
Mit beiden Schultern ſtemmte er ſich gegen die morſche Thür, die Verzweiflung verdoppelte ſeine Kraft. Das alte Eiſen des Schloſſes ſchien nachzugeben, es ächzte und ſtöhnte. Die ver⸗ roſteten Angeln bogen ſich, ein Nagel fiel heraus. Mit unbeſchreiblicher Freude hörte ihn der Blinde klirrend auf die Steine fallen. Die Hoffnung be⸗ lebte ſeinen Muth. Noch ein Ruck, ein gewaltiges Drängen und Heben mit den Schultern, welche ihn ſchmerzten, und die Pforte ſprang weit auf. Er war im Freien.
Neue Verlegenheit. Wie ſollte er weiter kom⸗ men? Vorſichtig taſtete er mit den vorgeſtreckten Händen, um jedem Hinderniſſe aus dem Weg zu gehen. Das war eine lange und gefahrvolle Wan⸗ derung, welche der Blinde zu beſtehn hatte, bis er zu dem Flur des Hauſes gelangen konnte. Von Zeit zu Zeit hielt er ſtill, un, zu lauſchen. Eine furchtbare Angſt erfaßte ihn. Wenn der Burſch ihm begegnete, dann war es um ihn geſchehn. Dieſe Angſt lähmte ſeine Schritte, doch vermochte ſte ihn nicht zurückzuhalten. Wie ein Schiff ohne Pilot, das zwiſchen ſteilen Klippen treibt und jeden


