Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
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Gatten waren ganz und gar geeignet die Betrübte, ſo weit dies in Beider Kräften lag, wieder aufzurichten. Ihr Schmerz war milder und ſtiller geworden, wozu die Freundſchaft das Meiſte beitrug. Ja ſie ſegnete ihr ſchweres Leid, dem ſie ein bisher unbekanntes Gefühl zu verdanken hatte. Erſt ſeitdem ſie alle Wonnen und Qua⸗ len der wahren Liebe empfunden, erhob ſich ihr Geiſt zu einer wunderbaren Höhe. Kein irdiſcher Wunſch regte ſich mehr in ihrer Bruſt, ſie hatte mit der Welt und dem Leben abgeſchloſſen. Ihr Blick war von nun an nach Oben gerichtet, all' ihre Gedanken waren reiner, ihre Empfindungen wahrer und heiliger geworden. Der Schmerz hatte ihr ganzes Weſen wie verklärt, die letzten Schlacken der Selbſtſucht von ihr abgeſtreift. Auch in ihrem Aeußeren gab ſich dieſe Umwandlung zu erkennen, ihre Züge hatten einen unendlich rührenden, faſt durch⸗ ſichtig ätheriſchen Ausdruck gewonnen, in ihren Augen war die wilde Glut erloſchen und einem überirdiſchen Glanze gewichen; wenn ſie ging, konnte es ſcheinen, als ob ſie kaum noch den Boden berührte. Der Arzt ſchüttelte zuweilen bedenklich mit dem Kopf, wenn er ihr ſo be⸗ gegnete.

„Du glaubſt doch nicht,“ fragte ihn Getrud, be⸗ kümmert über dieſen Zuſtand,„daß eine Gefahr vor⸗ handen iſt?“