Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

195

der Reconvaleszentin erkannt und auf das herzlichſte be⸗ grüßt.

„Wie kann ich Ihnen vergelten,“ ſagte dieſe,„was Sie an mir und den Meinigen gethan? Der Himmel allein muß es Ihnen lohnen.“

Der Arzt hielt es doch gerathen, der aufregenden Szene ein Ende zu machen, und lud ſeine Gäſte ein, ihm zu Tiſche zu folgen. Hier herrſchte eine ſtille Heiterkeit; die wiedervereinten Gatten ſaßen beiſammen und wandten keinen Blick von einander ab; es war als ob ſie eben erſt ihre Hochzeit feierten, obgleich ihre Haare grau und ihre Geſichter voll Runzeln waren. Die Freude hatte ſie ver⸗ jüngt und in ihren lächelnden Zügen ſchwebte ein Abglanz ihrer erſten Liebe.— Bisher hatte der Paſtor es noch nicht gewagt den Arzt wegen der Rückkehr zu fragen; er begnügte ſich vorläufig mit dem Glücke, die Geneſene zu ſehen und ſprechen zu hören. Sie dagegen konnte die Sehnſucht nach dem Hauſe und ihren Kindern nicht un⸗ terdrücken.

„Wann werde ich gehen und die Anſtalt verlaſſen dürfen?“ fragte ſie ſchüchtern den Arzt.

„ Ich will Sie nicht länger hier halten, als es un⸗ umgänglich nothwendig iſt,“ antwortete er mit einem freundlichen Lächeln. „Das kann wohl noch lange dauern!“ ſeufzte ſie