Teil eines Werkes 
2. Band (1859)
Entstehung
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oft aber ihr Stichwort fiel, raffte ſie ſich auf, um dem Sturm ihrer Feinde zu trotzen. Dieſe Beharrlichkeit wurde indeß nur von einem geringen Theile des Publi⸗ kums ſo anerkannt, wie ſie es verdiente. Die Mehrzahl ſah darin nur eine Nichtachtung der öffentlichen Meinung, eine ſtrafwürdige Vermeſſenheit, ſchlug ſich auf Seiten der Gegner und entzog Martha noch den Reſt der Theil⸗ nahme, der ihr übrig geblieben war. Die wahren Kunſt⸗ freunde hatten längſt das Theater verlaſſen, entrüſtet über das gemeine Treiben, womit die klaſſiſche Schöpfung des großen Dichters entweiht wurde.

Nur die Feinde hielten Stand und behaupteten das Feld. Vor dieſen mußte ſie ihre Rolle bis zu Ende ſpie⸗ len und den bitteren Kelch der Schmach bis zum letzten Tropfen leeren. Sobald der Vorhang zum Letztenmale gefallen war, erhob ſich wieder das frühere Toben, Schreien und Ziſchen, bis ſie dadurch gezwungen wurde, zu erſcheinen. Die Bande in der Proſzeniumsloge hatte ihr eine noch größere Beſchimpfung als all' die bisheri⸗ gen zugedacht. Als aber Martha bleich und erſchöpft mit gefalteten Händen ergeben und doch noch immer ſchön in ihrem ſchlecht verhehltem Schmerz vor der wilden, auf⸗ geregten Menge erſchien, wurde dieſe unwillkürlich von der edlen Leidensgeſtalt plötzlich ergriffen. Es trat eine plötz⸗ liche Umwandlung in der Stimmung des leichtbeweglichen

1859. XXII. Eine arme Seele. II. 13