Druckschrift 
Gottfrieds von Berlichingen Ritterliche Thaten / mit Einleitungen und Erläuterungen herausgegeben von Dr. Karl Riedel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

.

6

ein Regiment ober⸗ oder niederlaͤndiſcher Knechte

aufzurichten und zugleich den Artikelbrief(Rechts⸗

brauch, Verfaſſung), wie der Fuͤrſt ſein Volk gehal⸗ ten wiſſen wollte. Da die Errichtung eines Regi⸗ ments dem erkornen Obriſten eine weite Ausſicht auf Erwerb bot, ſo hatten die Fuͤrſten nicht immer gleich noͤthig, den Seckel aufzuthun; ſondern der Obriſte beſtritt die Werbung zunaͤchſt auf ſeine Koſten, war er zumal ein durch viele Feldzuͤge und gluͤckliche Thaten beruͤhmter und bereicherter Mann. Er waͤhlte unter ſeinen Vertrauteſten den Obriſt⸗ lieutenant und ſetzte den einzelnen Faͤhnlein Haupt⸗ leute vor. Mittelſt dieſer lief die Werbung ſchnell durch Landgemeinden, Flecken und Staͤdte. Ehr⸗ liche, ruͤſtige Geſellen wurden uͤberall durch Trommelſchlag und Bekanntmachung des fuͤrſtlichen

Werbepatents zum Kriegsſpiel eingeladen; und in

kurzer Zeit war gewoͤhnlich eine Menge junger Hel⸗ den zuſammengelaufen. daß muͤſſiges Geſindel und der Hand der Gerechtig⸗ keit entronnene Verbrecher ihr Brot in des Kaiſers Regiment geſucht haͤtten. Der Eintritt war nicht

ſo leicht; nur, wer verſehen mit Wams und Schu⸗

hen, Blechhaube, Harniſch, gutem Schwerte, eine Hellebarde, außerdem auch noch mit etwas Geld vor dem Hauptmann erſchien, ward in die Muſter⸗ rolle aufgenommen. Nur Buͤrger und Landleute von einer gewiſſen Wohlhabenheit konnten ſomit in den Kriegsdienſt treten.

Man darf nicht glauben,