196
blick ſtille zu ſtehen, und daß er zuweilen ganz verkehrt und geiſtesabweſend die Fragen beantwortete, die an ihn geſtellt wurden.
Aber Sophie hatte ſelbſt ſich beherrſchen gelernt, und man hätte in ihrem Geſicht die Zweifel nicht zu entdecken vermocht, die in ihrem Innern ſtritten.
Eine Viertelſtunde verging, eine halbe Stunde ver⸗ ging; die Erwartung wurde immer höher geſteigert, und die Damen zeigten ſich immer ungeduldiger.
Auf einmal jedoch klärte ſich Horners Geſicht auf, und als Sophie nach der Seite ſchaute, welcher ſich ſeine Aufmerkſamkeit zukehrte, da war auch ein Ausruf der Freude nahe daran über ihre Liopen zu brechen, weil ſie Jespersſon an den Armen Carl Auguſts und Hermanns herankommen ſah; als ſie ſich vollends über⸗ zeugte, daß alle drei von Freude und Wohlwollen ſtrahlten, da vermuthete ſie, ihre argwöhniſchen Befürchtungen ſeien unbegründet geweſen.
Ihre Ankunft war ein wahres Signal zur Freude. Lang zurückgehalten brach ſie jetzt nach allen Sei⸗ ten aus.
Horner eilte ihnen entgegen.
„Du kannſt Dir gar nicht vorſtellen, Jespersſon,“ ſagte er,„welche Qualen ich in dieſer halben Stunde
erlitten. Hätte ich geglaubt, daß Deine vertrauliche
Mittheilung mir eine ſolche Unruhe verurſachen ſollte, ſo wäre ich nie auf Deine Anſichten eingegangen. Ju der That war es eine ſchreckliche Strafe, die Du Dir auferlegteſt, als Du beſchloßeſt, Dein Leben vom Edel⸗ muth eines Jünglings abhängig zu machen. Inzwiſchen danke ich Gott, daß Du lebſt und hier biſt.“
Er wandte ſich darauf zu Hermann.
„Hermann,“ ſagte er,„Dein Herz iſt in einer harten Probe geſtählt worden; aber ich glaubte immer, daß Du ſie mit Ehren durchmachen würdeſt. Du haſt
—


