Teil eines Werkes 
13. bis 16. Bändchen (1854)
Entstehung
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Niemals?

Nein.

Aber ich bin dennoch überzeugt, daß Du, wenn Du unter vier Augen einen recht freundlichen und herz⸗ lichen Abſchied von ihr nehmen könnteſt, es gewiß thäteſt.

Hermann wandte ſich ab, um ſeine Bewegung zu verhergen, aber Charlotte verſtand ihn ſo wohl und er⸗ griff herzlich ſeine Hand.

Ach Hermann, flüſterte ſie,wenn ich nur Et⸗ was für Dich thun könnte, aber ich vermag nichts.

In dieſem Augenblick trat Carl Auguſt ins Zimmer und das Geſpräch wurde unterbrochen.

Es verging eine Stunde. Hermann richtete ſich zu ſeiner Reiſe und der Schmerz legte warme aufrichtige Worte auf ſeine Lippen.

Charlotte hatte ihren Platz am Nähtiſchchen wieder eingenommen und ſaß jetzt ſtill und ernſthaft da, gleich als ob nie wieder ein Lächeln ihr Geſicht beleben könnte. Aber ihr Buſen hob ſich und aus ihrem Gefühl ent⸗ wickelten ſich abwechſelnd rothe und weiße, ſchnell ver⸗ ſchwindende Roſen auf den Wangen.

Ich verſtehe Dich ſo wohl, Hermann, ſagte Carl Auguſt,aber ich kann Dich blos herzlich beklagen. Du weißt, ich fürchte, daß Emma mit Alfred unglücklich werden wird; ich kenne ihn; aber die Sache iſt ſchon zu weit gediehen und läßt ſich jetzt nicht mehr ändern. Im Uebrigen kennſt Du meinen Vater: ſein Handſchlag iſt ſein Leben, ſein Wort iſt ſeine Ehre. Auch meine Mutter wünſcht dieſe Verbindung, und glaubt darin ein