Vierundzwanzigſtes Kapitel. Der Tag vor der Hochzeit.
„Keine Jeremiaden, Bruder Hermann, keine Klage⸗ lieder; Du weißt, daß ich lieber lache als weine. Du mußt wiſſen, daß ich nicht melancholiſch bin... nicht im Geringſten.“
Charlotte lachte, während ſie ſo ſprach. Der düſtre Ernſt in Hermanns Geſicht wollte indeß nicht ſchwinden.
Ich verſtehe mich zwar allerdings nicht viel auf die Laune der Herrn,“ fuhr das in hohem Grad frei⸗ müthige Mädchen fort,„aber Tegnér ſpricht im Namen des ganzen menſchlichen Geſchlechts alſo:„Klagen und Seufzer um eines Weibes willen? Die Welt iſt leider voll von Weibern! ſchlägt es Dir mit der Einen fehl, ſo ſtehen tauſend wieder da.“ Und ich glaube, daß er euch Alle zuſammen ganz richtig dabei charakterifirt hat. Nun, Hermann, kann ich Dich nicht zum Lachen bringen? Willſt Du nicht einmal den Mund verziehen? Ich glaube, die Liebe hat Dich gegen allen Scherz aſſekurirt. Pfui, ſo ſauertöpfiſch würde mir die Liebe nicht gefallen! Nein, Hermann, ſie muß heiter und gemüthlich ſein, nur dann glaube ich, daß man mit wahrem Vergnügen ſeine Ge⸗ danken damit beſchäftigen kann. Blicke alſo doch wenig⸗ ſtens auf, Bruder Hermann, ſo ſollſt Du etwas recht Verſtändiges zu hören bekommen. Du biſt ja Seemann, Hermann?“
Ridderſtad, Vater und Sohn. II. 1


