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thüre mehr todt als lebendig. Für den wohldenkenden und mitleidigen Anders war es das Werk eines einzigen Augenblicks, ihn aufzuheben und in die Stube hineinzutra⸗ gen, wo er ihn auf einen Stuhl ſetzte und zu unterſu⸗ chen anſing, ob er ſich verletzt habe. Der Stoß hatte ihn inzwiſchen zwar betäubt, aber nicht ernſtlich be⸗ ſchädigt.
Als Hans wieder zur Beſinnung kam, war es
ſchrecklich, ihn zu hören und zu ſehen. In ſeinem vom
Rauſch verwirrten, durch Gewiſſens⸗Unruhe verwilderten
und durch den Schlag betäubten Kopf ſpuckten tauſend
düſtere Eingebungen..
Im erſten Augenblick wußte er nicht, wo er war, ſondern ſtarrte erſchrocken um ſich. In ſeiner Vor⸗ ſtellung war Anders nichts Geringeres als der Teufel ſelbſt, der ihn jetzt anpacken wollte.
Aber Anders redete ihm ſo ernſtlich zu und Kerſtin legte ſo manche milde und freundliche Worte hinein, daß Hans allmählig ruhiger zu werden anfing.
Als ſie ihn für beſſere Eindrücke empfänglich ſahen, ſchlugen ſie die Bibel auf.
Hans hatte eine ſo wunderbare Empfindung. Er
verwünſchte ſich ſelbſt im Innerſten ſeiner Seele und
fand gleichwohl Mitleid bei Andern. Das ging ihm ſo
tief zu Herzen, und er blickte um ſich, ſtill auf jedes Wort lauſchend.
„Ihr verachtet mich alſo nicht?“ ſagte er;„mein Gott, verachtet Ihr mich nicht?“
„Nein Haus,“ antwortete Anders,„wir verachten
Dich nicht; aber wir beklagen Dich ſehr. Du biſt ein
ſchwacher Menſch, es fehlt Dir an Kraft, Dich anfzu⸗
richten, und Du ſuchſt nicht durch Gottes Wort Stärke
zu gewinnen. Nein, wir haben hinieden kein Recht,
eine Schwachheit zu verachten, ſondern können ſie blos beklagen. Willſt Du hören, Hans, was die Bibel
ſagt 2
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