Zwei Gedanken beſchäftigten Sophie ausſchließ⸗
lich; der eine drehte ſich unaufhörlich um ihren Manu, der andere um Emma.
Die wahre Liebe hatte bei S Maß abgenommen, als Brun immer tiefer ſank und der Gegenſtand des Unwillens ſeiner Vorgeſetzten, der Ver⸗ achtung ſeiner Freunde zu werden anfing, bis er endlich gar keine Rückſicht mehr darauf nahm, mit wem er um⸗ ging, wenn er nur Gelegenheit fand, ſeine garſtige Lei⸗ denſchaft für geiſtige Getränke zu befriedigen.
Als Sophie nach der Grauſamkeit, womit er ſie das letztemal und noch überdieß in Gegenwart frem⸗ der Perſonen behandelt hatte, wieder zur Beſinnung ge⸗ fonumnen war, hatte ein eiſiger Abſcheu gegen ihn ſie er⸗ aßt.
ophie in demſelben
Aber trotz dieſes Abſcheues vergaß ſie nicht, daß ſie ſeine Gattin war, und ſie ſann darüber nach, ob er nicht noch immer kurirt werden könnte.
Sie berieth ſich darüber mit Jeſpersſon, dieſer aber ſchüttelte ſeinen Kopf.
„Hätte Ihr Mann Charakter,“ antwortete er,„ſo wäre die Rettung nicht unmöglich, ſo aber zweifle ich ſehr daran. Alle Säufer ſehen, wenn ſie nüchtern ſind, wohl ein, daß ſie unrecht handeln: es iſt alſo nicht der Verſtand, was ihnen fehlt, ſondern Feſtigkeit des Wil⸗ lens, Muth und Kraft, die Leidenſchaften zu zügeln, kurz und gut es fehlt ihnen der Charakter. Aber die⸗ ſer iſt juſt auch das erſte, was das Laſter der Völlerei angreift und untergräbt, und erſt wenn er gebrochen und zu Grunde gerichtet iſt, dann thut es einen zweiten Schritt, d. h. es greift den Verſtand an... und dar⸗ nach das Herz. Mit ihrem Manne iſt es ſchon weit ge⸗
kommen.“
„Ich glaube gleichwohl,“ wandte Sophie ein,„daß ſein Herz noch gut iſt.“
„Mag ſein, daß es nicht angegriffen iſt, ich gebe
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