Elftes Kapitel. Der Gefangene.
Eine Scene auf Edsbro.
„Aus Barmherzigkeit geben Sie mir einen Schnaps!“ rief eine Stimme Jeſpersſon entgegen, im Augenblick, wo er ſeinen Kopf aus dem Stübchen hervorſtreckte. Um Gotteswillen, geben Sie mir einen Schnaps!“
Es lag ein ſo herzzerreißender und wehklagender Schmerz in der rauhen Stimme, daß Jeſpersſon unwill⸗ kürlich auf der Schwelle einhielt. Die Bitte erſcholl ganz laut wie ein Gebet, das unmittelbar aus einem ausgetrockneten oder zermalmten Herzen kam und zu Got⸗ tes Thron emporſtieg; aber es flehte nicht um Gnade und Barmherzigkeit, um Frieden und Verſöhnung— ſondern um einen Schnaps.
Einen ſo gräßlichen Eindruck die Sache auf Jeſpers⸗ ſon machte, ſo wurde er doch nicht gemildert durch die wenigen Worte, womit man den Wunſch des armen Elen⸗ den beantwortete. 1
Wenn die Bitte eine hölliſche war, ſo war es die Antwort nicht minder.
„Zeige mir zuerſt, daß Du Geld haſt, ſo ſollſt Du Branntwein bekommen; ha, ha, ha!“
Schlangengras war es, der ſo antwortete.
Ridderſtad, Vater und Sohn. II. 1


