blick— ſieht er zwiſchen den Gardinen des Zeltes ein reizendes Frauengeſicht. Es waren nicht brennende nea⸗ politaniſche Augen, die ihm begegneten, es waren blaue klare Augen. Im Blick flammte nicht ein verborgener Veſuv von wohlbewußten Leidenſchaften, ſondern es glänzte darin das liebliche Feuer einer ſanften Schwärmerei. Hier glühte nicht der brennende Himmel des Suüdens, ſondern des Nordens vom ewigen Eis der rieſigen Ge⸗ birge gemilderter Strahl.
Das Weib des ſüdlichen Europa iſt ſchön, eine ge⸗ reifte Schönheit. Sie kennt den Werth ihrer weiblichen Grazie, ſie begreift die Gewalt des Herzens, ſie iſt eine Frucht, welche weiß, wozu ſie taugt. Die nordiſche Frau dagegen iſt ein Traum von Schönheit, eine Ah⸗ nung ihrer weiblichen Grazie, eine Phantaſie von der Gewalt des Herzens; ſie iſt einer Blume ſchwärmeriſcher Frühlingsſeufzer unter dem Einfluß des von der Natur in ihren Schooß gelegten Gefühles, daß auch ſie zur Frucht reifen werde.
Das Ideal iſt im Norden Poeſie, im Süden Wirk⸗ lichkeit; aber wo iſt das ſchönſte?
Mit einem unruhigen, bangen und ſehnſüchtigen Blick folgt er der dahineilenden Yacht. Endlich ſcheint er wieder zu ſich zu kommen.
Seine Augen flammen, ſeine Wangen beleben ſich, ſeine Brauen legen ſich in Runzeln.
— Ruder auf! commandirt er, die Segel beigelegt! Umgekehrt!
Die Mannſchaft vollzog augenblicklich ſeine Befehle.
— Verfolget die Nacht! fuͤgte er hinzu. Und das Boot ſchoß mit ſolcher Eile dahin, als hätte es den Wil⸗ len ſeines Herrn verſtanden.
Die Spielyacht ſteuerte gegen die Inſel Capri zu, aber der Wind zwang ſie, verſchiedene Wendungen zu machen, und ob nun die engliſche Schaluppe ein beſſerer Segler war oder beſſer bedient wurde, genug, nach einer kurzen Weile erreichte er die Yacht.


