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Tiberius ſchuf hier eine Wildniß zu einem Olymp für ſeine wollüſtigen Träume um. In den Pärken errich⸗ tete er Altäre für Venus und Bacchus, und ſeinen Hof verwandelte er in Nymphen und Satyren. Seine Zeit⸗ genoſſen gaben ihm auch von dieſer Inſel den Zu⸗ namen Capricus.
Von Tibers Paläſten iſt jetzt nur noch eine unbe⸗ deutende Ruine übrig, aber die Natur iſt noch gleich wunderbar reizend, die Inſel liegt da wie ein liebe⸗ glühendes Mädchen, das, von zauberiſchen Erſcheinun⸗ gen berauſcht, in einem marmornen Baſſin ſich kühlt. Noch heutigen Tags ſcheint ſie von Tibers Zeiten zu träumen und in den balſamiſchen Düften der Orangen⸗ haine Liebe zu athmen.
Der Mann in der rothen Uniform hatte ſich auf⸗ gerichtet. In den Golf gekommen, warf er einen lan⸗ gen entzückten Blick um ſich her.
„Neapel ſehen, ſagen die Neapolitaner,“ dann ſter⸗ ben... Sterben? nein, es war kein Todesgedanke, der ſich im Geſichte des jungen Mannes ausdrückte; es war voll von Leben und Geſundheit, voll von Kraft und Jugend, voll von einem friſchen Verlangen zu han⸗ deln und zu denken, zu bewundern und zu genießen⸗ Neapel ſehen, ſagt Dupaty, und dann leben..
Der Horizont iſt begrenzt von amphitheatraliſch gegen das Meer hin ſchließenden Anhöhen, die von grünen Weingärten und goldgelben Pomeranzenbäumen, von dunkeln Lorbeerwäldern und hochrothen Kaktushecken beſchattet ſind. Aus jedem Thalgang weht eine ganze Welt voll Wohlgerüche uns entgegen. Die Natur ſcheint hier bloß die Beſtimmung zu haben, zu blühen und ihre Liebe auszuathmen. Die Blumen ſcheinen ihre Farbenpracht unmittelbar vom Himmel zu entlehnen, die Früchte ihr Blut aus der Erde eigenem Herzen ſu ſaugen. Die Spitze von Poſilippo ſpiegelt ſich mit hellblauem Schatten in den Wogen, und Proeida, Iſchia und Niſida ſchaukeln ſich wie Oaſen auf der beweglichen


