Teil eines Werkes 
11. bis 15. Bändchen (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

Es war als hätte ihn eben jetzt eine lichte Idee durchblitzt. 2

Ohne ein Wort zu ſagen, begab er ſich zu Guſtav und nahm ihm gegenüber Platz.

Leihen Sie mir die Bibel! bat er.

Der König und der Herzog ſtarrten einander an. Etwas Geſpenſtartiges drückte ſich im Weſen Beider aus.

Leſen Sie das zehnte Kapitel Daniel's und das achtundzwanzigſte Kapitel Samuel's, ſo werden Sie ſe⸗ hen, daß es Geiſter gibt, die den Vorhang zwiſchen Prde und Himmel, zwiſchen Tod und Leben zerriſſen haben.

So war es, fuhr der Herzog, in der Bibel blätternd, fort, wie der Beſchwörer ſagte.

Und ich habe Daniel's zehntes Kapitel und Sa⸗ muel's achtundzwanzigſtes Kapitel geleſen, und ich habe gefunden und geſehen, daß es ſolche Geiſter gibt.

Aber die wunderbare heilige Formel, die Mi⸗ chael von der Höhe herab rief und den dahingegangenen Todten aufforderte, aus der Tiefe aufzuſtehen, kennet ihr nicht.

So ſagte er auch.

Im Kelch der Lilie ruht das Meiſterwort.

Die Lilie iſt die Bibel, ich will das Wort ſuchen.

Und er las und ſuchte.

Ich begreife Ihre Abſicht nicht, bemerkte Ehren⸗ ſtröm gegen Fräulein Rudenſköld. Was ſoll das be⸗ deuten?

Wirklich? Sehen Sie nicht ein, daß der junge König jetzt gerettet iſt?

Beim Himmel, ich ſehe es nicht ein.

Das freut mich. Er iſt es aber dennoch, wenn Sie ſich jetzt nur zu den Herrn Aerzten hineinbegeben und ſie auffordern wollen, zu bemerken, daß der Her⸗ zog gleichfalls verüttt iſt.

Sie haben Recht, jetzt begreife ich's. Sie ha⸗ ben ſich ſelbſt uͤbertroffen. Dank, Veiſeenchäbenf, 1