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Als das Ende herannahte, empfahl dieſe ſchüchterne Frau, welche bei Lebzeiten ſo ſcheu und lenkſam und ſo leicht zu unter⸗ werfen war, ihre Seele ihrem ewigen Erlöſer und ging mit wunderbarer Ruhe und hehrem Muthe dem letzten Kampfe entgegen, als ob ſie ſich im Geiſte mit dem Tod vertraut ge⸗ macht habe und ſelbſt im härteſten Todeskampfe noch lächeln könne. So entſchlummerte ſie ſanft in den Armen ihres Gat⸗ ten, den Kuß ihres Kindes auf ihrer Wange— ihr letzter Blick war Liebe, ihr letztes Wort Gebet!
Herbert Gramberg fühlte ſich nun nicht länger mehr in Florenz heimiſch; er verließ es mit ſeinem Kinde, kehrte nach Norddeutſchland zurück und lebte ſtille und arbeitſam als Maler in einer norddeutſchen Hauptſtadt. Der Tod iſt ein mächtiger Verſöhner; er hatte auch ihm den Frieden mit ſeinem Vater und ſeinem Schwiegervater wieder verſchafft, vielleicht durch den kleinen Hans, den Liebling Aller. Lebenslang aber wer⸗ den Roſa's Andenken und die Rathſchläge, die ſie ihm auf ihrem letzten Schmerzenslager gegeben, in Herbert Gramberg lebendig bleiben, denn ſie haben ſeinem ganzen Weſen, inne⸗ rem wie äußerem, und ſeinem geſammten Dichten und Trach⸗ ten eine neue Richtung gegeben. So hatte ſich die vernach⸗ läſſigte Gattin an dem gleichgültigen, ſelbſtſüchtigen Manne gerächt, dem ſie Alles geopfert, der ihr Alles geraubt hatte, und wer würde ſie um dieſe Rache nicht beneiden?—


