Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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„Ach nein, Herbert! thu' das nicht!“ bat ſeine Frau; „ſiehe, ich bin ja nicht krank! Laß mich immer auf Deine Heimkunft warten, ich bitte Dich darum! Ich ſehe ja ohnedem jetzt ſo wenig von Dir, Herbert, ſo außerordentlich wenig!“

Sie war, noch immer auf den Knieen, ihm noch näher gerückt, ſchmiegte ſich an ihn an und legte ſchmeichelnd ihre Wange auf ſeine Hand.

„Geh', Roſa!“ rief Herbert und zog ſeine Hand unmuthig zurück;„laß das— Du langweilſt mich!“

Sie langweilte ihn! War es alſo ſo weit gekommen? Waren dieſe wenigen Jahre hinreichend geweſen, ihn eines Weſens überdrüſſig zu machen, welches er auf Lebenslang zu lieben, zu ehren und auf den Händen zu tragen gelobt hatte? — Der unheilverkündende Wolkenfleck am Horizont von Roſa's Zukunft vergrößerte ſich ſchnell, und das Sonnenlicht von Roſa's Leben verſchleierten trübe, düſtere Wolken.

Herbert ward noch unmuthiger, als er ſie ſo bitterlich weinen ſah. Er fühlte ſich unzufrieden und unbehaglich, ver⸗ ſuchte ſich aber zu überreden, es ſei nur ihre Hartnäckigkeit oder ihr Eigenſinn wegen des Hausſchlüſſels, was dieſen leiden⸗ ſchaftlichen Ausbruch verurſacht habe, und dies beſtärkte ihn in ſeinem Entſchluß, nicht nachzugeben.

Es war ihr erſter häuslicher Zwiſt, denn Roſa, die ſonſt ſo gelehrig, ſo widerſtandslos und nachgiebig war, wollte dieß⸗ mal nicht ohne einige Oppoſition in einer Sache nachgeben, die— wie ſie ahnungsvoll und doch deutlich vorausſah— nothwendig mit Zeit und Weile das Band aller häuslichen Gewohnheiten und aller Regelmäßigkeit zerreißen mußte. Her⸗ bert dagegen ward durch ihren Widerſtand nur noch mehr ge⸗

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