Die Kaiſerin erinnerte ſich jetzt, daß ſie ihn nicht abgeſetzt hatte.
— Da Sie Chef der geheimen Polizei ſind, erklärte jetzt die Kaiſerin, ſo befehle ich Ihnen, ſogleich Döring herbeizuſchaffen.
Ein heftiges Zucken in Orlow's Geſicht bewies den Grimm, welchen dieſer Name ihm einflößte.
— Iſt er alſo im Schloß? Ew. Majeſtät?
— Das müſſen Sie beſſer wiſſen, als irgend ein anderer Menſch. Er war um ſechs Uhr hier, iſt aber ſeitdem ſpurlos verſchwunden. Sie müſſen ihn ſogleich herbeiſchaffen.
— Das iſt unmöglich, Ew. Majeſtät.
— Unmoöglich!
— Bei einem ſolchen Feſte, wie dasjenige war, das heute Abend hier gefeiert werden ſollte, wo die Menſchen ſchaarenweiſe durch die Thore des Palaſtes herein und heraus ſtrömten, iſt es unmöglich, die Schritte jedes Ein⸗ zelnen zu beobachten.
— Orlow, unterbrach ihn die Kaiſerin, wenn Ih⸗ nen Ihr Amt lieb iſt, ſo muß Döring in einer Vier⸗ telſtunde hier ſein.
— Ew. Majeſtät, antwortete er, was in menſchli⸗ chen Kräften ſteht, ſoll geſchehen.
Mit einer beinahe trotzigen und herausfordernden Verbeugung entfernte er ſich.
Die Kaiferin folgte ihm mit einem forſchenden, ſcharfen Blick, bis die Thüre hinter ihm zuging.
— Ich wundere mich nicht mehr, Willanow, ſagte ſie dann, daß dieſer Mann Dir nichts Anderes als Ent⸗ ſetzen einflößen konnte. Haſt Du ihn beobachtet?
— Ja, Ew. Majeſtät.
— Saheſt Du ihn an, als ich Döring's Namen nannte?
— Seine Augen funkelten wie zwei Dolchſpitzen; er traf mit beiden zugleich mein Herz. — Ich fürchte, daß er zu Allem fähig wäre.


