Vierzehntes Kapitel.
Geſchichte der Prinzeſſin Tarrakanow.*)
Die endloſe Wagenreihe, in welcher die Equipage der Prinzeſſin Alexandra nur ein Glied ausmachte, war inzwiſchen vorwärts geeilt, ohne weitere Aufenthalte, als die zufälligen, die in einem größeren Wagenzug leicht entſtehen.
Willanow's Erzählung hatte die Aufmerkſamkeit der beiden Mädchen von allem Andern abgelenkt, und „ſie beachteten nicht, daß der Reiter noch immer unauf⸗ hörlich an ihrer Seite ſich befand und ſich ſo nahe beim Wagen hielt, als die Umſtände es geſtatteten. Als Willanow aufgehört hatte, betrachtete Alexan⸗ dra ihre Freundin mit einer Zärtlichkeit und Herzlich⸗ keit, als ob ſie jetzt erſt anfinge, ſie wirklich zu lieben.
Willanow verſank in ſich ſelbſt zurück unter ihre Erinnerungen, wie auf ein Beet von verwelkten und geknickten Blumen.
Während der Pauſe, die entſtand, erinnerte ſich Alexandra, daß Willanow angedeutet hatte, ſte kenne die älteren Verhältniſſe zwiſchen Marfa und Orlow, und um das Geſpräch wieder zu beleben, fragte ſte darum.
— Marfa iſt alſo die Einzige, ſagte Alexandra, die Dir aus der Heimath Deiner Jugend geblieben iſt? Gewiß liebſt Du ſie ſehr?
*) Geſchichtlich wahr. Der Fürſt. II.


