Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1852)
Entstehung
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Arme Willanow!

Die Prinzeſſin drückte ihre Hand.

Ew. Hoheit haben in mir nur ein ſchwatzhaftes, läſtiges Mädchen geſehen.

Ein gutes und artiges Mädchen, Willanow.

Sie hätten mich ſehen ſollen, wie ich in der Zeit. als ich mir ſelbſt gehörte, als ich frei war.

Frei?

Ach ja, Ew. Hoheit, frei wie der Vogel, frei wie der Wind. Wie glücklich und fröhlich war ich nicht damals! Jetzt hänge ich von Andern ab.

Nur von mir, Willanow, und Du mußt zugeben, daß ich doch mehr von Dir abhänge als Du von mir, weil Du auch ohne mich ſein kannſt; aber was würde ich werden ohne Dich?

Vielleicht, Ew. Hoheit, vielleicht...

Willanow ſchien über die Worte der Prinzeſſin nachzuſinnen.

Fahre jetzt fort, Willanow, fahre fort.

Ich habe vielleicht Unrecht, über meine gegen⸗ wärtige Lage zu klagen, denn es iſt wahr, daß ich mit vieler Güte behandelt werde; aber ich kann jedenfalls nicht ohne innige Rührung an mein Vaterland denken. Ach, Ew. Hoheit, Niemand kann beſſere Eltern gehabt haben als ich; ſie waren ſo gut, ſo gut. Sie wiſſen, daß ich einen Bruder hatte; er war ein munterer, kräf⸗ tiger Junge. Er war ein Jahr älter als ich und leben⸗ dig wie Feuer. Wie innig liebten wir nicht einander! Da war kein Vogelneſt zu hoch, daß er nicht hinauf kletterte und es mir zu Liebe ausnahm. Er that es, um mir Freude zu machen, und ich grämte mich darüber. Ich dachte an den Kummer der kleinen Vögel, wenn ſie ihre Eier und ihre Jungen vermißten. Ich ſchalt ihn aus, ich verbot ihm das zu thun, aber es half nichts. Er lachte bloß über meinen Zorn. Ich erinnere mich noch lebhaft, wie ich mehr als einmal, wenn mein Bruder ſich entfernt hatte, auf denſelben Baum hinauf