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denn?
Schwede.
Die Miene des Jünglings bekam immer mehr Lebendigkeit.
— Schwede, wiederholte er, indem er ſeinen Reiſe⸗ gefährten noch aufmerkſamer fixirte. Gott ſei Dank! fügte er gleichſam zu ſich ſelbſt redend hinzu. Ich habe immer viel Gutes von den Schweden gehört. Ihr Name iſt Döring— Moritz Döring— Sie ſagten ja doch ſo?
— Ganz richtig; aber ich kann nicht begreifen, warum Sie ſich darüber freuen, daß ich Schwede bin, oder vielmehr, warum Sie die Ruſſen zu fürchten ſchei⸗ nen. Sie ſind ja ſelbſt Ruſſe, und wenn Sie ein recht⸗ ſchaffener junger Mann ſind, warum beargwöhnen Sie Ihre Landsleute?
— Warum? warum? Ewiger Gott! Aber ohne daß ich hoffe, Ihnen vollſtändige Klarheit über meine Perſon geben zu können, preiſe ich mich dennoch glück⸗ lich wegen meines Einfalls, nach Ihrer Landsmann⸗ ſchaft zu fragen; und noch mehr gratulire ich mir dazu, daß Sie kein Ruſſe ſind. Sehen Sie, mein Herr, ein Ruſſe liebt ſein Vaterland, er muß es thun, denn er wäre ſonſt kein rechtſchaffener Ruſſe— er muß es lie⸗ ben wie ich— aber das gehört nicht hierher— ver⸗ zeihen Sie mir mein unzuſammenhängendes Gerede— wo war ich jetzt— ich wollte ſagen, daß nach meiner Anſicht jeder Ruſſe Pflichten gegen ſein Vaterland habe, liebe, theure Pflichten, und daß er, wenn er zugleich ruſſiſcher Beamter iſt, noch höhere Pflichten habe— genug, man muß den Patriotismus keines Mannes von Ehre in Verſuchung führen, und in der That ſelbſt kamen meine zweideutigen Erklärungen gegen Sie— mögen Sie mich jetzt nicht tadeln— nur von dieſer Rückſicht her. Ich wundere mich wahrlich nicht darüber, daß ich in meinen Aeußerungen mir ſelbſt widerſprochen habe; ach, mein Herr, ich habe mit Ausnahme der letzten
mein Herr; aber was für ein Landsmann ſind Sie


