Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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einer voraus gegangenen Herausforderung, oder läßt ihm, wenn er niederfällt, Zeit ſich aufzurichten, ſich zu ermannen, und ſtehenden Fußes den Kampf zu erneuen, und mehr dergleichen. Nur gegen die Ausländer wird der Brite, durch ſeinen Nationalſtolz, oftmals zur Parteilichkeit verleitet; beſonders fällt es ühn ſchwer, die Vorzüge und Verdienſte derſelben anzuerkennen.

Das engliſche Volk geht gern gerade und offen zu Werke, und haßt jede Art von Schleif⸗ oder Umwegen. Zum Zorn und zur Rache gereizt, ſucht es dieſe Leidenſchaften nicht verſteckt zu nähren, ſondern ſie auf der Stelle zu be⸗ friedigen. Es wendet im Nothfall lieber offenbare Gewalt, als Liſt und Ränke zur Erreichung ſeiner Abſichten an; daher in England z. B. grober Straßen⸗ raub häufiger, als fein erſonnener Diebſtahl iſt. Mit der Geradheit und Offen⸗ heit des Engländers hängt ſeine Liebe zur Wahrheit genau zuſammen. Von dieſer Eigenſchaft überzeugt man ſich am deutlichſten bei den Verhören vor Ge⸗ richt, wo die Schuldigen oft mit geringer Mühe zum Geſtändniß der ſchwerſten Verbrechen gebracht werden. Der Fall, daß Verbrecher ihre Miſſethat hart⸗ näckig leugnen, kommt weit ſeltener vor, als daß ſie dieſelbe, obſchon zu ihrem Verderben, ſtolz bekennen; ja, manche treten als ihre eigenen Ankläger auf. Schon im Aeußern des Engländers ſpricht ſich ſeine Unverſtelltheit deutlich aus, indem ſein Anzug nie durch nichtigen Tand die Augen täuſcht, und alles, was an ihm iſt, den Stempel der Echtheit trägt; und wenn ſchon unechtes Gold, falſche Edelſteine u. ſ. w. ſich hier und da mit einmiſchen, ſo liegt die Schuld meiſtens an der Unwiſſenheit des Beſitzers. Hieraus läßt ſich leicht der Schluß ziehen, wie ſehr man den Prahler, den Heuchler und Schmeichler ver⸗ achtet, daher auch nichts ſagende, dem Herzen fremde Redensarten, übertriebene Höflichkeit und Demüthigung, Bücklinge und Kratzfüße aus dem Umgange verbannt ſind. Selbſt ſolche Handwerksleute, die in allen Ländern etwas win⸗ dig erſcheinen, zeigen in ihrem Benehmen eine gewiſſe Gediegenheit.

Eine nothwendige Folge des geraden, offenen und wahrheitliebenden Sin⸗ nes iſt Redlichkeit. In der That, nirgends macht man an die Redlichkeit des Menſchen ſo hohe Anſprüche als in England, und wer in dieſee Hinſicht des guten Rufes verluſtig wird, kann ihn ſchwerlich wieder erlangen. Obgleich der Handel leicht zu unredlichen Maßregeln verführen kann, und daher vor Alters, bei den Grichen und Römern, für verwandt mit dem Gewerbe der Diebe galt, ſo ſpielt er dennoch in jenem Lande eine ſehr ehrbare Rolle, indem er ſich mehr ufrisſe Thätigkeit, auf kühne und große Unternehmungen, als auf liſtige und niedrige Bevortheilung ſtützt, wozu höchſtens der kleine Krämer ſeine Zuflucht nimmt. Daher kommt es, daß ſelbſt der hohe Adel kein Bedenken trägt, an den

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