Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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für die Matroſen vortreffliche waſſerdichte Stiefeln, und die Leber gab, an die Sonne gelegt, einen Ausfluß von mehr als anderthalb Tonnen Thran. Der Gewinn, den uns dieſes Thier verſchaffte, war daher nicht unbedeutend, und entſchädigte für die Arbeit, welche die Ueberwältigung desſelben gekoſtet hatte. Aber oft macht der Seemann Jagd auf Haifiſche ohne die Abſicht, Vortheil davon zu ziehen. Er verfolgt, fängt und tödtet ſie mit großer Mühe, und wirft ſie endlich, den kleinern Fiſchen zur Beute, in das Meer zurück, indem er ſich mit dem Gedanken begnügt, dasſelbe von einem Wütherich befreit zu haben. Ich ſah viele Schiffe, welche beſtändig mit einem ausgeworfenen Haihaken ſegelten.

Bei Sonnenuntergang kehrte der Südweſtwind zurück. Man holte die Boote wieder ein, die Segel füllten ſich und die Mannſchaſt konnte jetzt in Ruhe ihre gefangenen und gut zubereiteten Fiſche genießen.

Am Morgen des 16. erreichten wir die Höhe von Drontheim. Als der wachhabende Steuermann nach Meſſung der Sonnenhöhe uns benachrich⸗ tigte, daß es zwölf Uhr ſei, und der Koch zur Schiffglocke eilte, um das Zei⸗ chen zum Mittageſſen zu geben, rief Jemand auf dem Fockmaſt, daß eine Klippe ſich vor uns befände. Da die Seekarten einer ſolchen nicht erwähnten, ſo kam man auf die Vermuthung, daß ſie kürzlich entſtanden wäre. Dieß erregte allgemeine Neugier, und ein Jeder beſtieg eiligſt den Maſt, um ſie zu befrie⸗ digen. Es zeigte ſich auch am Horizont ein ſchwarzer Punkt, der Anfangs eine Klippe zu ſein ſchien; als aber die Ferngläſer zu Hülfe genommen wurden, verwandelte ſich der Gegenſtand in ein treibendes Schiff ohne Maſten. Bald nachher konnte man dasſelbe mit bloßen Augen auf dem Verdeck ſehen, daher wir geraden Weges hinſteuerten. Um vier Uhr Nachmittags war es uns ſo nahe, daß wir es aus ſeiner Bauart für ein ſpaniſches erkannten. Ungefähr hundert Schritte davon braßten wir bei, riefen ihm durch das Sprachrohr zu und feuerten aus kleinem Gewehr, worauf jedoch keine Antwort erfolgte. Der Oberſteuermann wurde deßhalb mit einer Anzahl Matroſen zur näheren Be⸗ ſichtigung des Schiffes abgeſchickt.

Nach Erſteigung des Verdecks ſtellte ſich die ſchaudervollſte Scene ihren Blicken dar verweſende Körper, mörderiſche Werkzeuge, mit Blut gefärbtes Schiffgeräthe, und Alles wild durch einander. Außer einem faſt verhungerten Pudel trafen ſie kein lebendes Weſen an. Vergebens ſuchten ſie in der ausge⸗ plünderten Kajüte nach Papieren, oder was ſonſt über das Schiff und deſſen Schickſal Aufſchluß geben konnte. Endlich, als ſie im Begriffe ſtanden, an Bord zurückzukehren, vernahmen ſie eine dumpfe Stimme, die hinter der Kajüttreppe, durch den an den Schiffsraum gränzenden Verſchlag hervordrang.