Druckschrift 
Onkel Cäsar : Novelle / von Mme Charles Reybaud ; aus dem Französischen von Dr. C. Büchele
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Familie, im Angeſicht ihrer Mutter und ihrer Pathe, welche beide weinten. Ich habe mich ſo weit gede⸗ müthigt, mich ihr zu Füßen zu werfen, um ſie zu erweichen, denn ich liebe ſie und kann nicht leben ohne ſie... Ich habe ſie angefleht, wenigſtens ihren Entſchluß aufzuſchieben... Mit welchem Stolz, mit welcher unempfindlichen Gelaſſenheit hat ſie mich angehört! Mit welcher grauſamen, unverſöhnlichen Feſtigkeit hat ſie mir geantwortet, daß Alles aus ſei, daß ſie niemals meine Frau werde!... Ja, ſo hat ſie zu mir geſprochen, zu mir, der ich ohne Miß⸗ trauen ihr mein Herz und mein Leben geſchenkt hatte... O! welcher Verrath!...

Während ſie ſo die tödtliche Wunde entdeckte, welche er eben erhalten hatte, fühlte Marcelle in ihrer Seele ein verwirrtes Gefühl, aus Betrübniß und Freude gemiſcht, entſtehen, ein geheimes Ent⸗ zücken, das ſie zu gleicher Zeit veranlaßte, den Him⸗ mel zu ſegnen, daß er ihr den grauſamſten Schmerz erſpart hatte, und aufrichtig Theodor's Leiden zu bedauern. Sie weinte ſehr, als er ihr erzählte, daß er beim Weggehen von dem Signoret'ſchen Hauſe blindlings fortgelaufen und auf das Feld gekommen ſei, ohne nur zu bemerken, daß der Sturm ausge⸗ brochen war.

So bin ich ſehr weit fortgekommen, fuhr er

ſchaudernd fort,die Blitze blendeten mich, das Waſ⸗ ſer vom Himmel rieſelte an mir hinab, aber der

kalte Regen that mir gut: es ſchien mir, er kühle

mein Gehirn ab und beruhige mein Blut; allmälig kam ich wieder zu mir ſelbſt und weinte dann.... Jetzt bin ich ruhig, wie Du ſiehſt...