Teil eines Werkes 
5. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Leichname ohne Haupt ihrer letzten Ruheſtatt gegeben wurden! Die Morgenſonne erblickte auf allen Kirchhöfen der bangen Stadt offene Gräber und ſah Tauſende von Leidtragenden, Unglücklichen ringgum. Das Geläut der Todtenglocken erfüllte alle Lüfte. Einigen folgte der düſtre Schall auf weiten Wanderwegen; denn es wurde auch man⸗ cher Leichnam von den Verwandten hinweggeführt, um auf dem Erbe ſeiner Ahnen, bei ſeinen Vätern zu ruhen. Das Grab dort war das einzige Beſitzthum, das ihnen noch da⸗ von geſtattet blieb!

So die Frühſtunden des Feſttages!

Am ſpätern Vormittag füllten ſich die Kirchen mit De⸗ nen, die den Himmel um Troſt und Hülfe anflehten und ſeine Gnade erbitten wollten für die Dahingegangenen. Nir⸗ gends aber ſchwoll die Volksmenge ſtärker an als vor der neuen St.⸗Salvatorkirche. Nicht der zehnte Theil der An⸗ dringenden fand Raum in der kleinen Kirche. Denn hier hielt David Lippach die letzte Rede vor ſeiner Gemeinde.

Lippach weihte ſeine Betrachtungen ganz den ſchweren Ereigniſſen der kaum vorübergegangenen Tage. Er wog das große Geſchick des Ganzen; des Landes, des Volks, des Glaubens; er gedachte ſeines eigenen kleinen Lebens⸗ geſchickes nicht, ſo bitter es ſich jetzt für ihn wendete, indem er von ſeiner Gemeinde ſcheiden ſollte, von dem heimat⸗ lichen Boden. Ja, in ſanfter Frömmigkeit erhob ſich ſeine Seele ſo hoch, daß er zu betrachten und ſeinen Hörern zum Verſtändniß zu bringen vermochte, wie ſich ſelbſt in dem Verhängniß des Schreckenstages nur die Gnade Gottes verherrlichte. Darum ſchloß er an ſeine Rede eine Dank⸗ ſagung*):

*) Hiſtoriſch; wörtlich!