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genug von der Mauer des Rathhauſes hielten. So ging ſie, ohne es zu wiſſen, an dem dort ſchmachvoll aufgeſteckten, ehrwürdigen Haupte ihres Vaters vorüber. Dennoch ſuch⸗ ten Wolodna und Thereſe, die das Schreckliche wußten und die ſchauerliche Stelle erkannten, ihren Blick und Sinn da⸗ von abzulenken. Wolodna, indem er auf ihrer rechten Seite hinſchreitend, den Ort mit ſeinem Körper zu decken ſuchte, Thereſe, indem ſie durch leiſe Worte Augen und Ge⸗ danken der Unglücklichen gleichzeitig abzuwenden trachtete.—
Sie hatten die Brücke erreicht. Schon ragte der Thurm mit den Häuptern der Hingerichteten als ſchwarze Maſſe vor ihnen auf, doch ließ ſich Einzelnes noch nicht unter⸗ ſcheiden.
„Blickt nicht hinauf, meine Kinder“, bat Wolodna ſich zu Agathen wendend. Dieſe ſenkte ſcheu gehorchend das Haupt nieder und zog das verhüllende Gewand dichter über die Stirn. Thereſe vernahm ein inneres Gebot:„Du darfſt nicht zagen, das Schreckliche zu ſehen! Du mußt es anſchauen! Das grauſe Bild ſoll fortleben in deiner Seele, daß es nimmer, nimmer verlöſche! Dieſer letzte Blick zu den edlen Häuptern hinauf iſt die letzte Pflicht, die du gegen ſie zu erfüllen haſt!“——
„Halt!“ rief eine rauhe Stimme ſie an, als ſie eben die Brücke betreten wollten. Ein Lanzenknecht hielt ihnen den Speer vor.„Niemand darf hinüber!“
„Freund!“ redete ihn Wolodna, auf das Hinderniß vor⸗ bereitet, an;„wir wollen nach Sanct⸗Iv an, um morgen, am Johannistag, zur Frühmeßzeit ein Gelübde vor den Re⸗ liquien des Heiligen zu erfüllen! Mitternacht iſt nahe, laßt uns hinüber, ſonſt können wir unſer Ziel nicht erreichen.“
„Vom Zapfenſtreich bis Tagesanbruch iſt die Brücke
Rellſtab, Drei Jahre. V. 2. 8


