Teil eines Werkes 
5. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Und wo wird das Blutgericht abgehalten? fragte Czernig aus gepreßter Bruſt.

Auf dem Schloß droben, antwortete Lippach.Die Reichshofrathſtube oberhalb der böhmiſchen Kanzlei iſt zum Sitzungsſaal beſtimmt. Eben jetzt halten die Mitglieder ihre Verſammlung und werden vereidigt. Der Fürſt Liechten⸗ ſtein nimmt ihnen den Schwur ab, und ihm ſelbſt der Graf Adam von Waldſtein.

Schwören ſie auch gerecht zu richten, ſonder Haß und Feindſchaft? fragte Holoduk bitter.

Möge der Herr ihr Herz zur Milde wenden, bat Chlodzek.

Ach, mein theurer Bruder, es hat nicht den Anſchein, entgegnete Lippach ſeufzend.Denn der Haß und die Feind⸗ ſchaft hat dieſen ſchreckenvollen Ueberfall längſt im Dunklen vorbereitet und genutzt. Die drei Rachedurſtigen ſitzen zwar im Gericht nicht mit, weil das allzu anſtößig vor allen Fürſten und Herren in ganz Europa geweſen wäre. Allein ſie haben doch im Verein mit den erbitterten Jeſuiten den ganzen Plan geſchmiedet und ſchüren und blaſen in die Flammen! Der Adminiſtrator hatte dieſen Morgen mit dringendſter Bitte nachgeſucht, bei dem Fürſten von Liechten⸗ ſtein vorgelaſſen zu werden. Allein er iſt unverrichteter Sache heimgekehrt, da Slawata über eine Stunde bei ihm geweſen iſt, worauf ſich der Fürſt ſogleich in den Gerichts⸗ ſaal begab. Martiniz kam Arm in Arm mit dem Grafen Adam von Waldſtein den Gang herunter. Auch waren der heimliche Giftſäer von vormals, Fabricius, und der zeloti⸗ ſche Pater Thyßka droben im Schloß; Beide vielfach im Verkehr mit den Mitgliedern des Gerichtshofes.

Das ſind freilich ſchlimme Anzeichen! entgegnete Chlodzek.Die drei Hinabgeſtürzten werden ihrer Schmach