Teil eines Werkes 
4. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Dennoch wäre der Handel gewiß übel für Kaspar abge⸗ laufen, wenn nicht eben ein Tumult auf dem Hofe, nach welchem die Fenſter des Corridors hinausgingen, die Auf⸗ merkſamkeit Aller angezogen hätte. Alles nämlich ſprang an die Fenſter, und ſo wurde der Gerichtsdiener zum zwei⸗ ten male faſt umgerannt, und diesmal von ſo Vielen, daß er nicht mehr wußte, mit wem er deshalb Streit an⸗ fangen ſollte.

Kaspar nutzte dieſen günſtigen Augenblick, indem er dem Gefangenen, der plötzlich von beiden Begleitern ver⸗ laſſen war, zuflüſterte:Seid Ihr der Rath Rippell? Der bin ich!So läßt Euch Eure Tochter Agathe grüßen, ſie iſt wohl aufgehoben beim Pfarrer Lippach!

Ein Sonnenblick der Freude überflog das bleiche Geſicht Rippell's. Thränen traten in ſeine erloſchenen Augen: Gott ſegne es Euch! Wer Ihr auch ſeid, Freund! ant⸗ wortete er leiſe.

Indeß war das Getümmel auf dem Hofe und das Ge⸗ dränge nach dem Fenſter ſtärker gewerden. Die beiden Gerichtsdiener befanden ſich mitten in der Maſſe, und hätte ſie auch nicht ihre Neugier feſtgehalten, ſo konnten ſie den⸗ noch jetzt nicht ohne Mühe zu ihrem Gefangenen zurück. Einen Augenblick dachte Kaspar an die Müäglichkeit einer Flucht mit Rippell. Doch er ſah ſchnell, daß dieſe Hoff⸗ nung vergeblich war. Daher begnügte er ſich mit dem mög⸗ lichen Vortheil, den der Augenblick gewährte. Er ſagte leiſe zu Rippell:Tretet mit heran hinter mich und ſagt mir Alles ins Ohr, was ich etwa beſtellen ſoll. Dabei trat er ſelbſt ſo dicht als möglich zum Fenſter hin, konnte aber doch nicht ſehen, was drunten vorging.

Grüßt tauſend mal mein Kind! Sie ſoll treu bewah⸗ ren, was ich ihr übergeben habe, flüſterte Rippell ihm