Teil eines Werkes 
4. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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gedrücktem Hut und finſter auf die Erde blickend auf und nieder wie Einer, der ganz voller Gedanken iſt und auf nichts um ſich her achtet. Aber er blickte verſtohlen ſcharf umher, und keine Maus, die über die Diele lief, wäre ihm entgangen. Abſichtlich ſtreifte er ein paar mal an Die,

die neben ihm vorübergingen, an und ſah ſich dann mür⸗

riſch um, als ſei ihm ein Unrecht geſchehen.

Der Kerl denkt, er iſt allein hier oben, murmelte einer der Angeſtreiften zu ſeinem Kameraden;aber ſo ein Soldat kümmert ſich um nichts heutzutage! Ich glaube, er

1 würde den Kaiſer umrennen und noch lärmen, daß er ihm nicht aus dem Wege gegangen ſei!

Kaspar hörte und ſah nichts von Allem was er hörte und ſah. Außer was er hören und ſehen wollte! Jetzt hefteten ſich ſeine Augen wie zwei ſcharfe Pfeile auf die ſchmale Thür im Hintergrunde, die in den Gang nach dem Weißen Thurm zuführte. Sie that ſich auf. Ein Gerichts⸗ diener und hinter ihm ein ſchwarz gekleideter, bleicher Mann traten heraus; ein zweiter Amtsdiener folgte dieſem.

Kaspar drehte den Kopf gleichgültig zur Seite, ſchielte aber ſcharf auf den Gefangenen hin, den die beiden Be⸗ 1 gleiter jetzt in ihre Mitte genommen hatten.Er iſt's; murmelte er vor ſich hin;er iſt noch blaſſer und elender geworden, als ich ihn letzthin am Thurmfenſter ſah! Ketten oder Handſchellen hat er nicht ſo wird ſich's machen laſſen! Es wäre auch eine Schande, wenn man den alten hinfälligen Mann noch mit Eiſen behangen hätte!

Ein verfluchtes waghalſiges Stück bleibt's immer, mur⸗ 2 melte er in ſich hinein, den Gefangenen und ſeine Begleiter ſcharf betrachtend,aber es geht nicht anders! Wenn ſie mich faſſen, iſt's freilich um mich geſchehen! Meinethalben, ſo hat er doch den Zettel, wenn's auch meine alte Glatze

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