Teil eines Werkes 
4. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

138

Mit ſeinem trotzigen, unerſchrockenen Blick muſterte Kas⸗

par im Vorübergehen die zuſammengerotteten Gruppen ſcharf. Er hatte in den Niederlanden lange in den Reihen der Spanier gefochten und kannte daher die Sprache ſo weit, um zu verſtehen, was ſie untereinander redeten.

Deſto höher ſtieg ſein Ingrimm, da er hörte, worauf es abgeſehen war und wie man ſie dazu ſtachelte. Wartet nur, ihr Hundsfötter, murmelte er;ein paar von euch ſollen mir doch daran glauben! Ablaß auf fünf Jahre hat euch alſo euer Pater Dominicus verſpro⸗ chen! Hat er euch auch verſprochen, daß euch keine Klinge über den Kopf fahren ſoll?

Er konnte ſich nicht enthalten, ſeinen Gedanken und murrend hingeworfenen Reden durch einige wilde Blicke Nachdruck zu geben.

Die Kerle, an denen er vorüberſtreifte, verhöhnten ihn in ihrer Mutterſprache.Seht den alten Grimmbart, rief der Eine;er muß ſchon früh einen Trunk über den Durſt gethan haben, ſo verrückt geberdet er ſich.

Ein Anderer ſagte:Dem muß ſein Hauptmann heut ſchon die Klinge auf den Rippen zerbrochen haben! Er ſieht aus, als wolle er Eiſen freſſen vor Wuth!

Ein Dritter rief ihn gar mit den Worten an:Alter Bär, was brummſt du ſo verdrießlich den Himmel an! Glotze uns nicht ſo unverſchämt an, oder du koſteſt meine Klinge!

Kaspar wollte die Geduld reißen. Faſt wäre ihm die eigene Klinge heraus und dem Vorwitzigen über den Schä⸗ del gefahren. Doch er beſann ſich wieder und zerdrückte ſeine Rache mit der Hand am Schwertgriff, den er packte, als wollte er ihn zermalmen.Was hülfe es, wenn ich dem Kerle die Glatze bis aufs Maul ſpaltete, ja, wenn ich